Unsere Gemeindewallfahrt nach Italien hatten wir ursprünglich für die freien Maitage vom 1. bis 8. Mai geplant. Sie ahnen richtig, dass uns die Wahl des neuen Papstes, wenn wir in diesem Zeitraum reisen würden, um einen Tag entgangen wäre. Deshalb waren die Flugtickets an den ursprünglichen Tagen sicherlich so teuer, dass wir einen Kompromiss eingehen mussten und unsere Wallfahrt von 2. bis 9. Mai starteten.
Dieser nicht geplante Höhepunkt der Wallfahrt erlebten wir am Ende unserer Reise. Noch bevor wir die Papstwahl erleben konnten (worauf wir angesichts der Situation insgeheim hofften), besuchten wir Bari mit der Kathedrale des heiligen Nikolaus, an dessen Grab wir die heilige Messe feierten. Am nächsten Tag fuhren wir dann mit Autos nach San Giovanni Rotondo, wo wir neben der Möglichkeit zur heiligen Messe und dem Gebet am Grab des Padre Pio auch einen Ausflug nach San Archangelo und am darauffolgenden Tag in das Küststädtchen Vieste unternahmen. Hier nutzten wir das schöne Wetter auch, um im überraschend warmen Meer zu baden.
Am nächsten Tag fuhren wir nach Rom mit einem Halt in Monte Cassino. In Rom wollten wir die Heiligen Tore durchschreiten und uns auch am Grab von Papst Franziskus beten. Und dann natürlich um die ausgewählten Sehenswürdigkeiten je nach Zeit und Wetter spazieren. Am Donnerstag, den 8. Mai morgens, hatten wir eine Messe in der Krypta in unmittelbarer Nähe des Grabes des Apostels Petrus, danach eine Besichtigung der Basilika und den Aufstieg zur Kuppel, von wo aus wir nicht nur den gesamten Vatikan sahen, sondern vor allem den Kamin der Sixtinischen Kapelle, der auf die abgegebenen Wahlzettel wartete. Den zweiten schwarzen Rauch dieses Konklaves verpassten wir um ein paar Minuten, wir gingen gerade durch die Basilika. Macht nichts… schwarzer Rauch ist nicht so interessant.
Am Nachmittag kehrten wir nach Nepomuk zurück und machten uns dann wieder auf den Weg in Richtung Vatikan. Da der Rauch entweder gegen 17:30 oder gegen 19:00 erwartet wurde, warteten wir nicht so früh direkt auf dem Platz, sondern schlenderten durch die engen Gassen rund um die Piazza Navona. Währenddessen kontrollierte Pater Jenda ständig auf YouTube den Wahlkamin, aber gegen 18:05 schloss er sein Handy und begann, über die Schönheiten architektonischer Wettbewerbe und Anekdoten zu plaudern. Um 18:07 kam allerdings die Nachricht: weißer Rauch. In diesem Moment vergaßen wir die schönste Architektur und machten uns sofort auf den Weg zu Sankt Peter. Bald sah es so aus, als hätte die Mehrheit der Stadt die gleiche Idee. Und tatsächlich, auf der Via della Conciliazione kamen wir zwar noch bis zur Hälfte, doch mit aller Kraft schlüpften wir aus der Umarmung der Menschenmenge auf der Hauptstraße und eilten die Seitengasse zur linken Seite des Platzes entlang. Kurz darauf standen wir bereits auf dem Petersplatz mit Blick auf den Balkon und auf die Leinwand, es war 18:55, 48 Minuten nach dem erfolgreichen Rauchsignal. Die Atmosphäre war sehr fröhlich und alle warteten darauf, dass sich die Türen des Balkons endlich öffnen. Und da war er! Der Kardinal Diakon kam und verkündete den Namen des neuen Papstes. Kurz darauf kam auch Papst Leo XIV. persönlich. Das war Begeisterung und Jubel!
Nach dem Segen ging der neue Papst und auch wir merkten, dass wir Hunger hatten und uns kurz zurückziehen mussten. Also machten wir uns auf den Rückweg. Die Straßen waren komplett voller Menschen, Autos hatten keine Chance und warteten nur traurig darauf, dass sie vielleicht irgendwann auch einmal weiterfahren könnten. Welche Überraschung, dass auch zu diesem Zeitpunkt die öffentliche Verkehrsmittel der Stadt nicht wirklich funktionierten. Deshalb gingen wir mehr als die Hälfte des Weges zu Fuß.
Auf dem Weg hielten wir noch für ein exzellentes Abendessen und erreichten um Mitternacht endlich Nepomuk. Es wäre alles sehr schön gewesen, wären da nicht der frühe Aufbruch und die Abreise zum Flughafen bereits um 4:15 Uhr morgens gewesen. Aber auch das haben wir gemeistert. Die Wahl des Papstes in Rom, das erlebt man schließlich nicht alle Tage, dafür braucht man wirklich einen richtigen Plan.